Zum Inhalt springen
MICHAELIS IMMOBILIEN
Alle Beiträge

Finanzierung

Anschlussfinanzierung 2026: Worauf du jetzt schon achten solltest

5. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit

Ein Brief von der Bank, ein paar nüchterne Zeilen und plötzlich wird aus einer abstrakten Zahl eine sehr konkrete Herausforderung: Die Zinsbindung läuft aus. Was jetzt? Wer vor zehn oder fünfzehn Jahren zu Niedrigzinsen finanziert hat, schaut heute auf ein völlig verändertes Zinsumfeld. Die Bauzinsen liegen 2026 zwischen 3,65 und 4,20 Prozent für zehn Jahre Zinsbindung, ein Niveau, das für viele Eigentümer eine spürbare Mehrbelastung bedeutet. Wer jetzt die falschen Entscheidungen trifft oder gar keine trifft, zahlt oft tausende Euro zu viel.

Die gute Nachricht: Wer frühzeitig handelt und die richtigen Optionen kennt, kann die Anschlussfinanzierung zu seinem Vorteil gestalten. Dieser Artikel zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, worauf es ankommt und ab wann du aktiv werden solltest.

Was ist eine Anschlussfinanzierung und wann wird sie fällig?

Eine Anschlussfinanzierung ist der neue Kreditvertrag, den du abschließt, wenn die Zinsbindung deines bestehenden Darlehens ausläuft. Die meisten Baufinanzierungen werden mit einer Zinsbindung von 10, 15 oder 20 Jahren abgeschlossen. Nach Ablauf dieser Frist ist das Darlehen in der Regel noch nicht vollständig getilgt. Die verbleibende Restschuld muss zu den dann geltenden Marktkonditionen neu finanziert werden.

Das klingt technisch, hat aber sehr reale Konsequenzen. Wer 2014 oder 2015 zu einem Zinssatz von 1,5 bis 2,0 Prozent finanziert hat und dessen Zinsbindung 2024 oder 2025 ausläuft, zahlt auf die Restschuld nun Zinsen von über 3,5 Prozent. Bei einer Restschuld von 200.000 Euro bedeutet das monatlich rund 300 bis 400 Euro mehr, und zwar für die gesamte neue Zinsbindungsperiode.

Wichtig: Viele Eigentümer warten, bis die Bank sich meldet, und nehmen dann das erstbeste Angebot an. Das ist fast immer ein Fehler. Banken verdienen an der Trägheit ihrer Kunden. Wer vergleicht und verhandelt, spart in der Regel erheblich.

Die drei Optionen im Überblick

Option 1: Prolongation — bei der alten Bank bleiben

Die Prolongation ist der einfachste Weg: Du verlängerst deinen Kredit bei der bestehenden Bank zu neuen Konditionen. Die Bank schickt dir ein Angebot, du unterschreibst und fertig. Kein Papierkram, kein Bankwechsel, keine Grundbuchänderung.

Das klingt bequem, und ist es auch. Aber Bequemlichkeit hat ihren Preis. Studien zeigen immer wieder, dass Banken ihren Bestandskunden bei der Prolongation oft schlechtere Konditionen anbieten als Neukunden. Die Bank weiß, dass viele Kunden den Aufwand eines Wechsels scheuen, und nutzt das aus. Wer die Prolongation wählt, sollte das Angebot der eigenen Bank mindestens mit zwei oder drei Konkurrenzangeboten vergleichen und aktiv nachverhandeln.

Tipp: Nutze das Prolongationsangebot deiner Bank als Verhandlungsbasis, nicht als endgültige Entscheidung. Ein Gegenangebot einer anderen Bank ist das stärkste Verhandlungsargument, das du hast.

Option 2: Umschuldung — zur günstigeren Bank wechseln

Die Umschuldung bedeutet: Du wechselst zum Ende der Zinsbindung zu einem anderen Kreditgeber, der dir bessere Konditionen bietet. Der Aufwand ist überschaubar, denn die neue Bank übernimmt die Abwicklung größtenteils selbst. Du musst das Darlehen bei der alten Bank kündigen, was kostenlos geht wenn die Zinsbindung ausläuft, und eine neue Grundschuld bestellen oder die bestehende abtreten lassen.

Der finanzielle Vorteil kann erheblich sein. Ein Bankwechsel zur Anschlussfinanzierung bringt typischerweise einen Zinsvorteil von 0,3 bis 0,6 Prozent gegenüber dem Prolongationsangebot der Hausbank. Bei einer Restschuld von 200.000 Euro und zehn Jahren Laufzeit bedeutet das eine Ersparnis von 6.000 bis 12.000 Euro, nur durch die Wahl des richtigen Anbieters. Wer diesen Schritt nicht geht, verschenkt Geld.

Tipp: Vergleiche nicht nur Zinssätze, sondern auch Sondertilgungsoptionen und Tilgungswechselmöglichkeiten. Flexibilität hat langfristig einen hohen Wert, besonders wenn sich deine Lebenssituation ändern könnte.

Option 3: Forward-Darlehen — Zinsen heute für morgen sichern

Das Forward-Darlehen ist eine besondere Form der Anschlussfinanzierung: Du schließt heute einen Kreditvertrag ab, der erst in einigen Monaten oder Jahren ausgezahlt wird, zum dann vereinbarten Zinssatz. Du kannst dir so das aktuelle Zinsniveau für bis zu 60 Monate im Voraus sichern.

Der Preis dafür ist ein Forward-Aufschlag, den die Bank für die Zinssicherheit berechnet. Je länger die Vorlaufzeit, desto höher der Aufschlag. Bei einer Vorlaufzeit von zwölf Monaten ist der Aufschlag in der Regel sehr gering. Bei 36 oder 48 Monaten wird er spürbarer. Das Forward-Darlehen lohnt sich, wenn du davon ausgehst, dass die Zinsen bis zum Ende deiner aktuellen Zinsbindung steigen werden.

Wichtig: Ein Forward-Darlehen ist verbindlich. Wer es abschließt und die Zinsen dann doch sinken, zahlt trotzdem den vereinbarten höheren Satz, ohne Ausstiegsrecht. Es ist also eine Absicherung, kein risikofreies Schnäppchen.

OptionAufwandZinsvorteilGeeignet für
ProlongationMinimalGering (ohne Verhandlung)Wer Aufwand scheut und aktiv nachverhandelt
UmschuldungMittelHoch (0,3 bis 0,6 %)Wer die besten Konditionen will
Forward-DarlehenMittelPlanungssicherheitWer steigende Zinsen erwartet

Ab wann solltest du aktiv werden?

Das ist einer der wichtigsten Punkte, und einer, den viele Eigentümer unterschätzen. Experten empfehlen, sich spätestens 12 bis 36 Monate vor Ablauf der Zinsbindung mit der Anschlussfinanzierung zu beschäftigen. Wer ein Forward-Darlehen in Betracht zieht, kann sogar bis zu 60 Monate im Voraus handeln.

Wer früh vergleicht, hat mehr Zeit und mehr Verhandlungsmacht. Ein guter Finanzierungsvermittler benötigt Zeit, um den Markt zu sondieren und das beste Angebot zu finden. Wer kurz vor Ablauf der Zinsbindung unter Zeitdruck steht, nimmt häufig das erste verfügbare Angebot, was selten das beste ist.

Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren: Wer sein Darlehen vor mehr als zehn Jahren abgeschlossen hat, kann es gemäß § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das gilt auch, wenn die vereinbarte Zinsbindung eigentlich länger läuft. Dieses Recht wird häufig nicht genutzt, weil es vielen Eigentümern nicht bekannt ist.

Sondertilgung vor der Anschlussfinanzierung: Jetzt handeln

Wer in den letzten Jahren Kapital aufgebaut hat und dessen Zinsbindung demnächst ausläuft, sollte jetzt ernsthaft prüfen, ob eine Sondertilgung vor der Anschlussfinanzierung sinnvoll ist. Je niedriger die Restschuld, desto weniger muss neu finanziert werden, und desto geringer die Belastung durch das neue, höhere Zinsniveau.

Viele Darlehensverträge erlauben jährliche Sondertilgungen von 5 bis 10 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme. Wer diese Möglichkeit in der Vergangenheit nicht genutzt hat und jetzt Ersparnisse hat, sollte sie vor der Anschlussfinanzierung gezielt einsetzen. Jeder Euro weniger Restschuld spart in den nächsten Jahren Zinsen.

Was tun, wenn die Zinsen zu hoch sind?

Manche Eigentümer stehen vor der Situation, dass die neue monatliche Rate nach der Anschlussfinanzierung spürbar höher ist als bisher. Das ist unangenehm, aber nicht zwingend eine Katastrophe. Ein paar Handlungsoptionen:

  • Tilgung reduzieren: Eine niedrigere Tilgungsrate senkt die monatliche Belastung, verlängert aber die Gesamtlaufzeit und erhöht die Gesamtzinskosten. Das ist nur als kurzfristige Entlastung sinnvoll.
  • Laufzeit verlängern: Eine längere Zinsbindung mit niedrigerer Tilgung kann die monatliche Rate drücken, birgt aber das Risiko, bei der nächsten Anschlussfinanzierung wieder vor einem hohen Zinsniveau zu stehen.
  • Staatliche Fördermittel prüfen: KfW-Programme zur energetischen Sanierung können in bestimmten Konstellationen die Finanzierungskosten senken oder günstige Zusatzdarlehen ermöglichen.
  • Teilweise verkaufen: In Extremfällen kann ein Teilverkauf oder die Aufgabe der Immobilie die wirtschaftlich sinnvollere Entscheidung sein, besonders wenn die monatliche Belastung dauerhaft nicht tragbar ist.

Fazit: Wer früh handelt, spart viel

Die Anschlussfinanzierung ist kein Verwaltungsakt, den man schnell abhakt. Sie ist eine Finanzentscheidung mit Konsequenzen über viele Jahre. Wer frühzeitig vergleicht, verhandelt und die richtige Option wählt, kann in einer typischen Finanzierungssituation fünf- bis sechsstellige Beträge sparen, bei wenigen Stunden Aufwand.

Die wichtigste Botschaft: Nimm niemals einfach das Prolongationsangebot deiner Bank an, ohne vorher den Markt zu prüfen. Informiere dich, vergleiche und entscheide dann informiert und aktiv. Das ist die einfachste und effektivste Möglichkeit, als Immobilieneigentümer Geld zu sparen.

Bereit für den nächsten Schritt?

Sprechen wir über Ihre Immobilie.

Kostenlose Erstberatung — telefonisch, per E-Mail oder persönlich. Ich melde mich innerhalb von 48 Stunden.

Direkter Kontakt

Adresse
Nordstr. 23
40667 Meerbusch
WhatsAppAnrufen